radon
Radon ist ein radioaktives Edelgas, das farb-, geruch- und geschmacklos ist und natürlich im Erdboden vorkommt. Es entsteht durch den radioaktiven Zerfall von Uran, das in unterschiedlichen Konzentrationen in Gesteinen und Böden vorhanden ist. Radon kann aus dem Untergrund durch Risse, Spalten und Undichtigkeiten in Gebäude eindringen und sich dort in der Raumluft anreichern. Besonders in Regionen mit uranreichem Gestein wie Granit oder in tektonisch aktiven Gebieten sind die Radonkonzentrationen typischerweise erhöht.
Radon ist nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs und stellt somit ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Beim Einatmen gelangen radioaktive Zerfallsprodukte des Radons in die Lunge, wo sie sich an Gewebezellen anlagern und diese durch Alphastrahlung schädigen können. Über einen längeren Zeitraum erhöht sich dadurch das Risiko für die Entwicklung von Lungentumoren erheblich. Das Risiko steigt proportional mit der Radonkonzentration und der Dauer der Exposition, wobei Raucher besonders gefährdet sind.
Die Radonkonzentration wird mit speziellen Radonmessgeräten gemessen, die entweder als passive Detektoren oder aktive Messgeräte erhältlich sind. Passive Detektoren werden über einen längeren Zeitraum von mindestens zwei Monaten, idealerweise während der Heizperiode, in den Wohnräumen aufgestellt und anschließend im Labor ausgewertet. Aktive Messgeräte liefern kontinuierliche Echtzeitwerte und ermöglichen eine schnellere Beurteilung der Situation. Die Messung sollte bevorzugt in Aufenthaltsräumen im Keller oder Erdgeschoss durchgeführt werden, da dort die höchsten Konzentrationen zu erwarten sind.
Bei erhöhten Radonwerten gibt es verschiedene wirksame Gegenmaßnahmen, wobei regelmäßiges Lüften die einfachste Sofortmaßnahme darstellt. Bauliche Maßnahmen umfassen das Abdichten von Rissen und Spalten im Fundament, die Installation von Radondrainagen oder die Einrichtung einer kontrollierten Wohnraumlüftung. Bei Neubauten kann eine radondichte Bodenplatte oder eine Absaugung unter der Bodenplatte bereits präventiv eingeplant werden. Die Wirksamkeit der Maßnahmen sollte durch eine erneute Messung überprüft werden, um sicherzustellen, dass die Radonkonzentration unter den empfohlenen Referenzwert gesunken ist.
In Deutschland gilt seit 2019 ein Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) für die über das Jahr gemittelte Radonkonzentration in Aufenthaltsräumen und an Arbeitsplätzen. Dieser Wert basiert auf europäischen Vorgaben und dient als Richtwert, ab dem Maßnahmen zur Reduzierung der Radonbelastung eingeleitet werden sollten. Für Neubauten gelten präventive Anforderungen in ausgewiesenen Radonvorsorgegebieten, wo bereits bei der Planung Schutzmaßnahmen berücksichtigt werden müssen. Die Einhaltung dieser Werte liegt in der Verantwortung der Eigentümer und Arbeitgeber, wobei Behörden beratend zur Seite stehen.