gerhard schröder russland
Gerhard Schröder übernahm nach seiner Kanzlerschaft mehrere Aufsichtsratsposten bei russischen Energiekonzernen. Er wurde 2005 Aufsichtsratsvorsitzender der Nord Stream AG, später auch bei der Nord Stream 2 AG. Zusätzlich war er im Aufsichtsrat des staatlichen russischen Energiekonzerns Rosneft tätig und wurde 2022 für den Aufsichtsrat von Gazprom nominiert. Diese Positionen brachten ihm erhebliche finanzielle Vergütungen ein und führten zu massiver öffentlicher Kritik.
Die Kritik richtet sich hauptsächlich gegen die enge persönliche und geschäftliche Verbindung zu Wladimir Putin und russischen Staatsunternehmen. Schröder wird vorgeworfen, deutsche und europäische Interessen zugunsten russischer Wirtschaftsinteressen zu vernachlässigen. Besonders nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 verschärfte sich die Kritik massiv, da er seine Positionen nicht aufgab und den Krieg nicht klar verurteilte. Seine Haltung wird als Lobbyismus für das Putin-Regime und als Gefährdung der deutschen Energiesicherheit bewertet.
Nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 forderten zahlreiche Politiker parteiübergreifend Schröders Rücktritt von seinen russischen Posten. Der Bundestag entzog ihm im Mai 2022 bestimmte Altersvorsitzenden-Privilegien wie Büro und Mitarbeiter. Die SPD leitete Parteiausschlussverfahren ein, die allerdings scheiterten. International wurde Schröder zur persona non grata, mehrere Ehrendoktorwürden wurden ihm aberkannt und er verlor erheblich an öffentlichem Ansehen.
Die persönliche Beziehung zwischen Schröder und Putin entwickelte sich während Schröders Amtszeit als Bundeskanzler von 1998 bis 2005. Beide Politiker trafen sich regelmäßig und pflegten einen engen Austausch, der über rein diplomatische Beziehungen hinausging. Schröder bezeichnete Putin mehrfach als persönlichen Freund und als "lupenreinen Demokraten", eine Formulierung, die später zu einem Symbol seiner unkritischen Haltung wurde. Kurz vor Ende seiner Kanzlerschaft förderte Schröder maßgeblich das Nord-Stream-Projekt, bei dem er wenige Wochen nach seiner Abwahl eine führende Position übernahm.
Schröder war ein zentraler politischer Förderer der Nord-Stream-Gaspipelines, die russisches Gas direkt nach Deutschland transportieren. Als Kanzler unterzeichnete er noch kurz vor der Bundestagswahl 2005 die Vereinbarungen für Nord Stream 1. Unmittelbar nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt übernahm er den Aufsichtsratsvorsitz des Pipeline-Konsortiums. Später engagierte er sich auch für das umstrittene Projekt Nord Stream 2, das nach dem Ukraine-Krieg gestoppt wurde. Seine Doppelrolle als ehemaliger Kanzler und Lobbyist für russische Energieinteressen gilt als beispiellos problematisch.